Es gibt Hotels, bei denen man nach dem Aufenthalt denkt: „Hier komme ich gerne wieder.“
Und dann gibt es Hotels, bei denen man beim Auschecken denkt: „Schön. Ich habe überlebt.“
Mein heutiger Erfahrungsbericht handelt von letzterer Kategorie.
Dabei fing alles völlig harmlos an.
Die Buchung – Vorfreude in Hochglanz
Auf den Bildern im Internet sah das Hotel in Düsseldorf hervorragend aus.
„Modern eingerichtete Zimmer“, hieß es.
„Ruhige Lage.“
„Reichhaltiges Frühstück.“
Und mein persönlicher Favorit:
„Bei uns steht der Gast im Mittelpunkt.“
Im Nachhinein glaube ich, dass damit gemeint war, dass der Gast im Mittelpunkt zahlreicher kleiner Katastrophen steht.
Aber der Reihe nach.
Die Ankunft
Ich erreichte das Hotel gegen 19 Uhr.
Die Rezeption war leer.
Auf dem Tresen stand eine kleine Klingel.
Ich klingelte.
Nichts.
Ich klingelte erneut.
Wieder nichts.
Beim dritten Klingeln hatte ich bereits das Gefühl, an einer Quizshow teilzunehmen.
Frage für 500 Euro: Wie oft muss ein Gast klingeln, bis ein Mitarbeiter erscheint?
A: einmal
B: dreimal
C: siebenmal
D: Der Mitarbeiter ist gar nicht im Gebäude.
Die richtige Antwort war offenbar irgendwo zwischen C und D.
Nach einigen Minuten erschien schließlich ein freundlicher Herr aus einem Nebenraum.
„Einchecken?“, fragte er.
Ich widerstand der Versuchung zu antworten:
„Nein, ich sammle Hotelrezeptionen.“
Stattdessen nannte ich meinen Namen.
Er fand meine Reservierung, überreichte mir einen Schlüssel und sagte:
„Zimmer 214. Zweiter Stock. Der Aufzug ist leider kaputt.“
Natürlich.
Warum sollte er auch funktionieren?
Zimmer 214
Nach dem sportlichen Aufstieg mit Gepäck erreichte ich mein Zimmer.
Der erste Eindruck war gar nicht schlecht.
Bett.
Schrank.
Schreibtisch.
Fernseher.
Bad.
Alles vorhanden.
Dann fiel mir auf, dass es im Zimmer ungefähr so warm war wie in einer finnischen Sauna kurz vor dem Aufguss.
Also Fenster auf!
Das Fenster bot einen wunderbaren Blick auf die Rückseite des Gebäudes.
Genauer gesagt auf die Lüftungsanlage.
Diese wiederum begrüßte mich mit einem gleichmäßigen:
BRRRRRRRRRRRRRRRRR.
Fenster wieder zu.
Nun hatte ich die Wahl:
Ersticken oder durchdrehen.
Ich entschied mich zunächst für Schwitzen.
Das Badezimmer
Nach der Fahrt wollte ich duschen.
Die Dusche verfügte über zwei Temperatureinstellungen:
- Antarktis
- Oberfläche der Sonne
Dazwischen gab es offenbar nichts.
Ich verbrachte mehrere Minuten damit, den Wasserhahn millimeterweise zu bewegen.
Zu kalt.
Zu heiß.
Zu kalt.
Zu heiß.
Irgendwann gelang es mir tatsächlich, für ungefähr vier Sekunden eine angenehme Temperatur einzustellen.
Ich wollte diesen Moment genießen.
Dann wurde das Wasser wieder kalt.
Der Fernseher
Nach dem Duschen wollte ich einfach nur noch aufs Bett und ein wenig fernsehen.
Fernbedienung genommen.
Power gedrückt.
Nichts.
Noch einmal.
Nichts.
Batteriefach geöffnet.
Keine Batterien.
Das ist konsequent.
Eine Fernbedienung ohne Batterien spart schließlich Strom.
Ich schaltete den Fernseher direkt am Gerät ein.
Es erschienen 37 Programme.
Davon funktionierten ungefähr neun.
Drei waren Verkaufssender.
Zwei zeigten irgendeine Dokumentation über Landwirtschaft.
Auf einem Kanal lief ein Krimi.
Ich war zufrieden.
Nach zehn Minuten verschwand das Bild.
„Kein Signal.“
Natürlich.
Vielleicht war der Täter einfach zu gefährlich.
Die Nacht
Gegen 23 Uhr wollte ich schlafen.
Das Bett war erstaunlich bequem.
Ich schaltete das Licht aus.
Ruhe.
Endlich.
Dann:
BRRRRRRRRRRRRRRRRR.
Die Lüftungsanlage.
Ich versuchte, sie zu ignorieren.
Nach ungefähr 20 Minuten hatte mein Gehirn angefangen, aus dem Geräusch einen Rhythmus zu machen.
BRRRR.
BRRRR.
BRRRRRRR.
Irgendwann schlief ich tatsächlich ein.
Um 2:17 Uhr wurde ich wieder wach.
Nicht wegen der Lüftung.
Auf dem Flur fand offenbar eine internationale Konferenz zum Thema „Wie laut kann man eine Hoteltür schließen?“ statt.
BAMM!
Stimmen.
BAMM!
Gelächter.
BAMM!
Dann Ruhe.
Fünf Minuten später:
BAMM!
Ich begann, die Türschläge zu zählen.
Bei Nummer elf verlor ich das Bewusstsein.
Oder ich schlief ein.
Ganz sicher bin ich mir bis heute nicht.
Das Frühstück
Am nächsten Morgen wartete das angekündigte „reichhaltige Frühstück“.
Und tatsächlich:
Es gab Brötchen.
Käse.
Wurst.
Marmelade.
Joghurt.
Müsli.
Eier.
Und Kaffee.
Ich war beeindruckt.
Bis ich das Ei öffnete.
Ich weiß nicht genau, wie lange dieses Ei gekocht worden war.
Aber vermutlich hatte man damit bereits am Vorabend begonnen.
Das Eigelb hatte die Konsistenz eines Baustoffs.
Damit hätte man wahrscheinlich kleinere Risse im Mauerwerk reparieren können.
Der Check-out
Nach dem Frühstück ging ich zur Rezeption.
Diesmal war tatsächlich sofort jemand da.
„Und? Waren Sie zufrieden?“, fragte die Dame freundlich.
Eine gefährliche Frage.
In meinem Kopf liefen die vergangenen zwölf Stunden noch einmal ab:
Der kaputte Aufzug.
Die Sauna im Zimmer.
Die Lüftungsanlage.
Die Dusche mit eingebautem Temperaturroulette.
Die batterielose Fernbedienung.
Der nächtliche Türweitwurfwettbewerb.
Das Ei aus Stahlbeton.
Ich antwortete:
„Es war auf jeden Fall ein Erlebnis.“
Sie lächelte.
„Das freut uns.“
Ich ließ es dabei.
Mein Fazit
War alles schlecht?
Nein.
Das Zimmer war sauber, das Bett bequem und die Mitarbeiter waren freundlich.
Aber manchmal sind es eben die vielen kleinen Dinge, die aus einer gewöhnlichen Hotelübernachtung eine Geschichte machen.
Würde ich dort noch einmal übernachten?
Sagen wir es so:
Wenn der Aufzug repariert ist, die Lüftungsanlage Urlaub hat, jemand Batterien für die Fernbedienung gekauft hat und die Frühstückseier nicht mehr als Baumaterial zugelassen sind …
… können wir noch einmal darüber reden.
Bewertung des Aufenthalts:
Sauberkeit: ★★★★☆
Freundlichkeit: ★★★★☆
Schlafqualität: ★★☆☆☆
Frühstück: ★★★☆☆
Unterhaltungswert: ★★★★★
Denn eines muss man diesem Hotel lassen:
Langweilig war es keine Minute.