Im Hotel: Das Zimmer mit Meerblick

Für einen Kurzurlaub hatte ich etwas Besonderes gebucht:

Zimmer mit Meerblick.

Das klang hervorragend.

Ich betrat das Zimmer, stellte meinen Koffer ab und öffnete erwartungsvoll die Balkontür.

Vor mir:

ein Parkplatz.

Dahinter:

ein anderes Hotel.

Dahinter:

ein paar Bäume.

Und ganz weit hinten, zwischen zwei Gebäuden, befand sich tatsächlich ein ungefähr handtuchgroßes Stück Meer.

Wenn man sich ganz links auf den Balkon stellte, den Kopf leicht nach rechts neigte und nicht blinzelte.

Ich ging zur Rezeption.

„Entschuldigung, ich habe ein Zimmer mit Meerblick gebucht.“

„Ja, das haben Sie.“

„Ich sehe hauptsächlich einen Parkplatz.“

Die Dame lächelte.

„Aber Sie können das Meer sehen.“

Technisch gesehen hatte sie recht.

Ich hätte vermutlich auch den Mond sehen können.

Trotzdem hätte ich das Zimmer nicht als „mit Mondblick“ verkauft.

Die Dame verstand meinen Humor und schaute nach einer Alternative.

Eine Stunde später bekam ich tatsächlich ein anderes Zimmer.

Direkter Blick aufs Wasser.

Traumhaft.

Zwischen „Meerblick“ und „man kann irgendwo das Meer erkennen“ liegen manchmal nur zwei Hotels und ein Parkplatz.