Beim Friseur: Nur ein bisschen kürzer

„Wie möchten Sie es haben?“

Eine gefährliche Frage.

„Eigentlich genauso wie jetzt. Nur etwas kürzer.“

Der Friseur nickte.

Das beruhigte mich.

Dann setzte er die Maschine an.

RRRRRRRRRRRRR.

Innerhalb von drei Sekunden lag eine Haarmenge auf meinem Umhang, aus der man einem mittelgroßen Dackel ein Winterfell hätte basteln können.

Ich sah in den Spiegel.

„Nicht zu kurz.“

„Keine Sorge.“

RRRRRRRRRRRRR.

Weitere Haare fielen.

„So ungefähr reicht eigentlich.“

„Ich gleiche nur noch an.“

Das Wort „angleichen“ entwickelte sich in den folgenden zehn Minuten zu meinem persönlichen Angstbegriff.

Am Ende betrachtete der Friseur zufrieden sein Werk.

„Super, oder?“

Ich schaute in den Spiegel.

Nun ja.

Es war definitiv kürzer.

Sehr viel kürzer.

Aber ich musste zugeben: Es sah gar nicht schlecht aus.

Seitdem sage ich beim Friseur nicht mehr „etwas kürzer“.

Ich zeige mit zwei Fingern exakt die gewünschte Länge.

Vertrauen ist gut. Zentimeterangaben sind besser.